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Die Bilder eines Bildes



"Überquerung" 100x120x4 Acryl auf Leinwand , Annette Stöhr, 2008                               Fotografie auf Acryl platte 30x30x2, Gundhild König, 2010

Spiel mit Dimensionen

Die Farbe dick aufgetragen - Schicht um Schicht - rot, weiß, grau, türkis, gelb - ungezähmt, wild, fast wütend, dann wieder kontrolliert,
mit einem Spachtel glatt gestrichen, Verbindungen schaffend. "Überquerung" steht das geschrieben - doch das scheint schwer möglich -
denn hart teilt ein grauer Schleier, fast wie ein Highway, die Komposition - die schwarzen Buchstaben stehen da - fast fragend.
Daneben eher heiter - zwölf Ausschnitte des Originals. Kleine, bunte, quadratische Fotografien hinter Acrylglas. Bilder aus dem Bild und doch so anders.
In kritischem Dialog dazu einige Thesen des griechischen Philosophen Platons über den Stellenwert der Kunst.
Es ist eine interessante Konstellation, die Annette Stöhr und Gundhild König derzeit im Café Sternklar zeigen, denn sie spielen mit Dimensionen, Materialien und Thesen - stellen alles in Frage - Ende offen.

So könnte man die Arbeitsweise der Malerin Stöhr bezeichnen.
Über einen Zeitraum von vier Jahren ist das zentrale Objekte der kleinen Ausstellung entstanden,
doch beendet ist damit das Exponat "Überquerungen" noch nicht. "Für mich ist so ein Bild wie ein Tagebuch.
Es begleitet mich und es wird immer wieder verändert, denn ich ändere mich ja auch."

Die Kunsttherapeuten weiß, wovon sie spricht. Seit Jahren arbeitet sie mit ihren Klienten genau in diesem Bereich.
Gefühle und Stimmungen sollen sich in Farben, Formen und Strukturen niederschlagen. "So läßt sich vieles ausdrücken, was man sonst nicht in Worte fassen kann", so Stöhr.


Auch "Überquerung" erzählt von Emotionen, von Trauer und Verletzung, aber auch von der Suche nach neuen Wegen.
"Das Bild war ursprünglich größer. Aber es gefiel mir nicht mehr und so habe ich ein Stück der Leinwand abgetrennt.
In der oberen linken Ecke sieht man noch die Rissspuren, es sieht fast aus wie eine Wunde. So eine Wunde habe ich auch in mir gespürt,
als in jener Zeit eine gute Freundschaft zuende ging."

Gundhild Königs Fotografien sind eigene kleine, grafische Kompositionen, die auch alleine stehen könnten.
Sie setzen das Original in einen neuen Kontext. Bewusst reißt König auseinander, was für Stöhr ursprünglich zusammengehörte.
"Mir war es zum Beispiel wichtig, das Wort "Überquerung" zu trennen," so König, " denn auf diese Weise ergibt sich eine neue Sicht auf das Original und vielleicht auch auf eine Situation."

Kunst kann verändern, kann neue Perspektiven schaffen.
Stöhr stellt aber auch diese Erkenntnis wieder in Frage,
indem Sie die Gedanken Platons ans Ende der Ausstellung setzt und die Frage zur Rolle der Kunst aufwirft.
Ist sie nur Belustigung? Ermöglicht sie Täuschung? Ist Kunst nur das Abbild einer Idee? Die radikalen Thesen des antiken Denkers,
der Kreativität keinen Stellenwert einräumt, teilen König und Stöhr wohl nicht. Das ist aber auch egal, denn was die beiden suchen, das ist der Dialog,
so kontrovers er auch sein mag.


Annette Lönne

die Bilder eines Bildes




Gemeinschaftsausstellung Gundhild König/Fotografie, Annette Stöhr/ Malerei, "Sternklar", Siegen, Hinderburgstr. 1, ab Montag, 29.November 2010


...Fotografien sind Abbilder, Abbilder des Bildes, Abbildungen des Bildes, Fotografien werden zum Abbild der Idee des Bildes, Fotografien werden zum eigenen Bild.....

...schafft Kunst ein Abbild vom Abbild? ist die Realität ein Abbild der Idee? ist das Ziel die Erkenntnis? oder ist es Ziel , Ideen zu erkennen und Erkenntnis zu leben? aufrichtige Begegnungen entstehen, wenn jeder Einzelne die Grundlage von Gerechtigkeit, Wahrheit und Authentizität erkennt, versteht und lebt! ermöglicht Kunst die Verwischung, Täuschung... die Verharmlosung oder Übertreibung? ist Kunst Abbild der Idee?! oder dient Kunst nur der Belustigung?

... Fotografien sind Abbilder, Abbilder eines Bildes, Abbildungen eines Bildes, Fotografien werden zum Abbild der Idee des Bildes, Fotografien werden zum eigenen Bild...







EntWicklungen

"Die Angst!" oder "Das Viele in mir finden?!"

Angst – was ist das?

Was geschieht, wenn die Angst das eigene Leben und Handeln
bestimmt, manipuliert und steuert?
Kunsttherapeutin Annette Stöhr begegnet der Angstkrankheit
mit ihrer speziellen Methode. Eine Frau, ihre Klientin, sucht Hilfe.
Angst umgibt und beherrscht sie. Annette Stöhrs Malatelier,
welches den Namen „ATELIERwerkstatt” bekommt, bietet ihr und
ihren Klienten einen Freiraum zum Experimentieren und zur freien
Gestaltung.
Beide Frauen begegnen sich in diesem Raum über sechs Jahre
lang. In den vielen Stunden des Malens und Gestaltens und den
Gesprächen miteinander entsteht eine facettenreiche Landschaft
von inneren Fragen, Bedürfnissen, Stärken, Wünschen, Hoffnungen
und Ängsten.
Die Angst erhält eine nicht geahnte Bedeutung für die Lebenszusammenhänge
der Frau, die Hilfe sucht.






Das Buch ist im Novum Verlag erschienen.
www.novumverlag.at
Die ISBN 978 - 3 -85022 - 588 - 5.


25.02.2009   Die Angst im Atelier besiegt
Siegener Zeitung

Ute Bohne hat auf kreativen Wegen ein neues Leben entdeckt.

Mit der öffentlichen Diskussion eines heiklen Themas möchten zwei Frauen anderen Menschen Mut machen.

„Ich habe für mich wichtige Chancen genutzt, ein neues Leben zu beginnen!“ Wenn Ute Bohne die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren lässt, dann spricht eine selbstbewusste Frau aus ihr, die zwar um ihre Schwächen weiß, die aber in erster Linie ihre Stärken kennt. Das war nicht immer so. Ein großer Teil ihres Lebens wurde von Angstzuständen bestimmt, die sie in den späten Neunziger Jahren regelrecht krank werde ließen. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Ein intensives Coaching bei der Netphener Kunsttherapeutin Annette Stöhr hat die Hilchenbacherin wieder auf die richtige Spur gebracht.

„Auslöser waren sieben schwere Unfälle auf der Autobahn, die ich innerhalb eines Jahres erlebt habe und denen ich nur knapp entkommen bin“, erinnert sich Ute Bohne. Immer wieder habe sie diese für sie so schockierenden und einschneidenden Erlebnisse „geschluckt“, ohne sie richtig verarbeitet zu haben. „Am Ende kam die Angst raus.“ Und die habe ihr das Leben regelrecht zur Hölle gemacht. „Ich konnte nicht mehr einkaufen gehen, hatte Angst vor Menschenmassen und vor Autofahrten“, erzählt sie.

Dass diese Ängste nervlichen Ursprungs sein mussten, sei ihr bewusst gewesen. Den richtigen Weg zur Heilung jedoch habe sie erst sehr spät eingeschlagen. Über eine Freundin habe sie Kontakt zu Annette Stöhr aufgenommen. Sehr schnell war für die heute 60-Jährige klar: „Diese Frau kann mir helfen.“ Eigentlich habe sie kurz davor gestanden, sich in klinische Behandlung begeben zu müssen. „Ich wollte es aber unbedingt mit dieser Kunsttherapie schaffen.“

Annette Stöhr nahm die Herausforderung an und widmete sich der hilfesuchenden Hilchenbacherin ungewöhnlich intensiv. Sechs Jahre lang fuhr Ute Bohne an jedem Freitag in die Atelierwerkstatt der 52-Jährigen, die sich auf klientenzentrierte Kunsttherapie spezialisiert hat. „So lang und ausgiebig habe ich in meinem bisherigen Berufsleben mit niemanden zusammengearbeitet.“ Schon allein die Tatsache, dass solch eine konsequente Langzeit-Therapie nicht von der Krankenkasse bezahlt werde und mit großem finanziellen Einsatz verbunden sei. „Ich hatte aber schon vorher einen viel zu hohen Preis gezahlt“, erinnert sich Ute Bohne. „Auf das Geld sollte es mir deshalb nicht ankommen.“

Abgesehen von der Konfrontation mit Menschenmassen und gezielten Autofahrten fand die Therapie vor allem im Atelier statt. Mit viel Kreativität und in einem selbst festgelegten Tempo brachte Ute Bohne ihr Innerstes auf die Leinwand und machte so im Laufe der Jahre den Fortschritt ihrer Persönlichkeitsentwicklung farbenfroh sichtbar. Mit jedem Gemälde wich das Grau ein wenig mehr der Farbe. Ute Bohne malte sich Pinselstrich für Pinselstrich zurück ins Leben und stellte schließlich in einer Ausstellung die Bandbreite ihrer neu gewonnenen Schaffenskraft unter Beweis.

„Heute bin ich über sehr viele Dinge hinweg“, erklärt Ute Bohne. „Ich spüre die Angst weiterhin, sie wird nie ganz weggehen.“ Aber sie habe gelernt, mit ihr umzugehen, sich nicht weiter von ihr bestimmen zu lassen. „Ich kann nun zeigen, was ich nicht mehr möchte, was mir nicht gut tut.“

Die außergewöhnliche Zusammenarbeit der beiden Frauen ist inzwischen erfolgreich beendet. Nicht nur Ute Bohne hat in all der Zeit eine Menge über sich gelernt und wichtige Weichen für ihr Leben gestellt. Auch Annette Stöhr hat einen persönlichen Entwicklungsprozess in den Gesprächen mit ihrer Klientin durchlebt.

Ihre Erfahrungen möchten die beiden nun auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. In ihrem soeben erschienenen dialogischen Buch „EntWicklungen“ zeichnen Annette Stöhr und Ute Bohne ihre Begegnungen nach und gewähren dem Leser Einblicke in eine ganz individuelle Form sich der Angst zu stellen. „Wir möchten den Menschen Mut machen, ebenfalls gegen Ängste anzugehen, und das ganz ohne Medikamente.“ In den kommenden Wochen stellen die beiden Autorinnen ihr Werk in einer Reihe von Lesungen vor u.a. in der Neurologischen Fachklinik in Hilchenbach.









Leseprobe

Vorwort

Ent-wickeln entwickelt, Entwicklung ent-wickelt,
wickelt auf und entwickelt weiter …

„Das System ist offenbar ständig
von der Gefahr des ,Entgleisens‘ bedroht.“
Till Bastian (Lebenskünstler leben länger, Kindler Verlag)


Ein System ist ein festes Gefüge.
Es strebt danach, stabil zu bleiben und zu sein.
Entgleisungen geschehen dann, wenn etwas anderes,
etwas Gegensätzliches, etwas, das anders aussieht,
was anders denkt, was anders will, sich dagegen stellt?!
Sind Entgleisungen Abweichungen vom eigentlichen Weg?
Entgleisung ist los – lösen vom Gleis!
Das Gleis ist ein festes Gefüge,
welches Sicherheit und Struktur vorgibt!
Abweichen von vorgegebenen Strukturen
kann die Folge einer erlebten Sackgasse sein.
Wenn ein Zug entgleist,
verlässt er die für ihn vorgesehene Bahn, den Weg!
Entgleisungen – auf dem Weg, auf dem Lebensweg,
wie sehen sie aus, wann kommt es dazu?
Wie sind Entgleisungen einzuordnen oder zu verstehen?
Welche Qualität besitzen sie hinsichtlich
der eigenen Lebenssituation?


Tagebucheintrag
von Ute Bohne am 29. Januar 1999

„9.30 Uhr, ein erstes Gespräch mit der Kunsttherapeutin Annette Stöhr, Höhenweg 11, Netphen.
Heute will ich mal einen Schritt gehen, den ich schon Jahre machen will, um wieder ein schönes Leben, ohne die viele Angst in mir, zu leben.
Heike (Freundin) arbeitet schon lange mit dieser Kunsttherapeutin zusammen.
Folker (Ehemann) ist noch in Hamburg. Ich stehe früh auf. Aufgeregt bin ich eigentlich gar nicht, nur das Wetter macht mich unruhig.
Also rufe ich Frau Stöhr an. Sie meint, die Straßen sind frei.
Also nur Mut, und alles geht auch gut.
Frau Stöhr fegt Schnee, und da ist, auch wenn noch klein, der Funke, der überspringt.
Wir begrüßen uns und gehen in ihre Werkstatt.
Was sehe ich? Bunte Malwände! Hier muss schon viel mit Farbe gearbeitet worden sein.
Ein Regal, Tisch mit Farben, eine Sitzgruppe mit großen Fenstern nach draußen.
Wir sitzen und erzählen, viel sprudelt aus mir heraus.
So ganz unwillkürlich!
Wenn ich nachdenke, ist da doch eine ganze Menge, die mich belastet.
An erster Stelle die Unfälle, alles so durcheinander, die Krankheit, der Zusammenbruch am Gardasee usw.
Plötzlich sagt sie: „Horchen Sie mal in sich hinein!“
Mein Herz klopft doch aufgeregt.
Es ist eben alles neu und eben die immer nicht gerade schönen Erinnerungen kommen.
Wir erzählen weiter. Sie sagt, ich wäre eine starke Frau, dass ich das, wenn auch mit viel Mühe, alles so geschafft habe.
Da sind zwei Menschen, der kleine und der ach so große.
Es muss eins werden, und die Angst soll ja nicht ganz aus dem Leben gehen.
Aber das Leben soll wieder schön werden.
„Und bis jetzt hatte sie vielleicht noch nicht den richtigen Weg für sich gefunden.
Wenn sie nicht diesen Weg gehen wollte, wäre sie nicht bei diesem Wetter gekommen. Ich will nicht ihre Therapeutin sein, sondern ihre Wegbegleiterin. Den Weg müssen Sie gehen. Ich begleite Sie nur und helfe“, so Frau Stöhr.
Von dem letzten Satz war ich so angetan, dass er mich noch mehr ermutigte.
Frau Stöhr sagt: „Ihr Wille ist es nun etwas für sich zu tun, und wir werden es auch schaffen.“
Um ehrlich zu sein, erst wollte ich einen Rückzieher machen, als ich den Preis hörte. Aber habe ich nicht all die Jahre einen viel zu hohen Preis schon bezahlt. Dann kommt es jetzt auf die Groschen nicht an.
Dann fragt sie: „Wie sieht es in Ihnen aus?“
Ich bin ruhig und froh, das Gespräch hat gut getan.
„Was wollen Sie jetzt noch machen?“
„Am liebsten einkaufen oder spazieren gehen.“
„Dann tun Sie das doch.“






Dreharbeiten des ZDF in der ATELIERwerkstatt

Am 12.07.2009 09:02 im ZDF Ausgang offen! Paarcoach berät Paare in der Krise.
Homepage von "Sonntags"(ZDF)






Arbeit an Artikel für die Deutsche Angst-Zeitschrift(daz).
http://www.daz-zeitschrift.de